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Gemälde von Sir Edwin Landseer, 1831

Ein Hund aus Neufundland


Die Geschichte des Landseers

Der Landseer gehört heute zu den seltenen Rassehunden. Der mächtige weiß-schwarze Hund, elegant und edel in seiner Erscheinung, ist selbst in Deutschland noch recht selten, obwohl von hier aus im letzten Vierteljahrhundert die maßgeblichen züchterischen Impluse ausgingen. Es gab allerdings Zeiten, da war die Rasse berühmt und weit verbreitet.

Vom nützlichen Helfer zum Liebling der Oberschicht

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts brachten Seeleute erste Exemplare mächtiger weiß-schwarzer Hunde von Neufundland mit nach England. Den Siedlern auf der dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten Insel hatten sie beim Fischen geholfen, hatten Netze im Wasser geschleppt und Boote durch die Brandung gezogen, aber auch Herden und Anwesen vor wildem Getier geschützt.

Englands gehobenes Bürgertum und der Adel begeisterten sich für diesen Hund - damals noch “Newfoundland dog” genannt.
Ein Maler gab den Namen

Auf Bildern sind uns zahlreiche Zeugnisse einer schon frühen Hochzucht dieser Rasse überliefert. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts häuften sich die Darstellungen mit Gemälden von George Morland, George Stubbs, Sir Thomas Lawrence und anderen. Ab etwa 1820 schuf Sir Edwin Landseer, der wohl berühmteste Tiermaler seiner Zeit, zahlreiche Kunstwerke von diesen edlen, kraftvollen Vierbeinern. Sein bekanntestes Bild “Ein verdienstvolles Mitglied der Lebensrettungsgesellschaft”, entstand 1831. Es stellt den Hund Paul Pry dar, wie er gelassen und doch aufmerksam auf einer Kaimauer liegend über das Wasser schaut.

Das Leben des Paul Pry war außergewöhnlich: Seinen Herrn brachte er zweimal bei Schiffbrüchen schwimmend an Land, beim ersten Mal lebend, beim zweiten Mal konnte er seinen Herrn nur tot bergen. Von da an lebte er auf sich allein gestellt am Hafen. Er beobachtete die Vorgänge am Wasser und rettete so manchem Kind, das beim Spielen vom Ufer abstürzte, das Leben. Dieser Rettungstrieb gehörte zu seinem Wesen, er ist auch heute noch ein typischer Charakterzug dieser Rasse. Zum Dank für seinen Einsatz ernannte ihn die Königliche Lebensrettungsgesellschaft zum Ehrenmitglied und sorgte fortan für sein Futter.

Zahlreiche Reproduktionen von Bildern des Sir Edwin Landseer steigerten die Bekannheit der Tiere; sie bewirkten schließlich, dass die Hunde nach diesem Maler benannt wurden. Landseer unterschieden sich von da an auch dem Namen nach von den etwas kleineren schwarzen Neufundländern.

Rassemerkmale

Im Vergleich zu diesen rein schwarzen Hunden ist der Landseer hochläufiger, er wirkt schlanker und zeigt sich temperamentvoller. Allerdings ist ein ausgewachsener Landseer-Rüde mit einer Schulterhöhe von ca. 75 - 80 cm durchaus kein Leichtgewicht, kann er doch bis zu 70 kg wiegen. Hündinnen bleiben im Ganzen etwas kleiner und leichter. Die Behaarung ist mit Ausnahme des Kopfes lang, dicht und von Unterwolle leicht durchsetzt. Die Grundfarbe des Felles ist weiß. Als unverwechselbares Rassekennzeichen gilt der schwarze Kopf mit einer weißen Schnauzenpartie und weißer Blesse. Klar voneinander abgegrenzte schwarze Platten sind über den Rumpf verteilt.

Befreiung aus erdrückender Umarmung

Das Eiland vor Kanadas Küsten bescherte uns zwei Rassen, einmal den weiß-schwarzen Landseer, der schon sehr früh als “Newfoundland dog” Bekanntheit erlangte, und zum anderen den heutigen Neufundländer. Letzterer dürfte seine Urahnen vor allem bei den Indianerhunden Labradors haben, während der Landseer vermutlich von starken nordspanischen Hirtenhunden abstammt. Tatsächlich waren es baskische Waljäger, die als Erste im nördlichen Teil Neufundlands überwinterten, und es ist wahrscheinlich, dass sie Hunde aus Ihrer Heimat zum Schutz vor Bären und Wölfen mitbrachten.


Als etwa ab 1860 die schwarzen Neufundländer zur Mode wurden, ging die Landseerzucht teilweise in ihnen auf. Man vermischte in England die beiden von Neufundland stammenden Rassen, was dem kleinwüchsigeren Hund mehr Schöhnheit brachte, dem Landseer aber fast den Untergang.

Zum Glück fanden sich um die Jahrhundertwende einige engagierte schweizerische und deutsche Kynologen, die mit wenigen noch vorhandenen weiß-schwarzen Exemplaren aus England eine rassereine Landseerzucht begannen - der Anfang zur Befreiung aus einer erdrückenden Umarmung!

Durch zwei Weltkriege musste diese Zucht Einbußen und Rückschläge hinnehmen und dennoch gelang 1960 ein entscheidender Schritt: die offizielle Anerkennung eines eigenen Standards für Landseer durch die FCI, die Internationale Dachorganisation im Hundewesen. Züchterische Erfolge stellten sich aber weiterhin nur zögernd ein. Erst in den letzten 20 - 25 Jahren verbreitete sich die Zuchtbasis derart und mit so wunderschönen Exemplaren, dass man wirklich sagen kann, diese jahrhundertealte eigenständige Rasse ist zu neuer Hochform erblüht. Maßgeblich beeinflusst hat diese Entwicklung der Deutsche Landseer Club (DLC), der sich als weltweit erster Spezialzuchtverein seit seiner Gründung im Jahre 1976 kompromisslos dem Wohl der vierbeinigen Riesen widmet und der für andere europäische Landseer-Zuchtvereinigungen Vorbild war.


Bezugsquelle: "Der Landseer - Edler Freund und Hausgenosse",
mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Landseer Club (DLC) e.V. Sitz Bonn



 
  

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